Unsere Vorsitzenden

Ich heiße David Armbruster, bin angehender Grundschullehrer und Vorsitzender des 2011 gegründeten Vereins futuRoma e.V., der sich für die Bildung von Roma einsetzt.

Als Schüler des Technischen Gymnasiums in Sindelfingen fuhr ich 2004 zusammen mit einer bunt gemischten Gruppe das erste Mal nach Mazedonien. Es handelte sich dabei um einen von Schülern organisierten Hilfstransport nach Kriva Palanka. Wir spendeten hauptsächlich Schul- und Kindergartenmöbel an staatliche Einrichtungen in und um die kleine Stadt im Nordosten Mazedoniens. Bei unseren Streifzügen durch die Stadt lernten wir auch Roma kennen. Neben der Armut, in der die Menschen leben, fiel uns auf, dass fast kein Kind der Roma in den Kindergarten, bzw. in die Schule ging. Den Kindergarten können sich die Familien nicht leisten und in der Schule verlieren die Kinder schnell den Anschluss, da sie die Landessprache nur sehr schlecht beherrschen, denn die Roma sprechen ihre eigene Sprache, das Romanes. So ist der Teufelskreis aus fehlender Bildung, fehlender Arbeit und fehlendem Geld programmiert.

Mit dem Preisgeld, das wir durch den Hilfstransport gewonnen hatten, machten wir uns in den folgenden zwei Jahren an die Planung eines Kindergartens, damit die Kinder der Roma kostenfreien Zugang zu früher Bildung bekommen konnten. Dieser Kindergarten, organisiert als mazedonische NRO (Nicht-Regierungs-Organisation), wurde 2006 eröffnet und wird sehr gut angenommen. Im Vordergrund stand dabei von Anfang an die Vorbereitung der Kinder auf die Schule.

Nach meinem Abitur bin ich der „Mazedonien-Gruppe“ des Gymnasiums treu geblieben. Neben der fortlaufenden Verbesserungen im Kindergarten machten wir es uns auch immer mehr zur Aufgabe, den Roma in deren Siedlung zu helfen. Inzwischen sind durch unsere Hilfe in Zusammenarbeit mit den Roma Toilettenhäuschen, Brunnen, befestigte Wege, Brücken und vieles mehr entstanden.

Um in Deutschland besser zusammenzuarbeiten und um mehr Spenden zu sammeln, wurde 2011 der gemeinnützige Verein futuRoma gegründet.

Um die Kinder und Jugendlichen auch nach dem Kindergarten zu unterstützen, wollen wir langfristig ein umfangreiches Betreuungsangebot schaffen. Neben der Hausaufgabenbetreuung für die Kinder soll es auch allgemeine (Weiter-) Bildungsangebote für Jung und Alt geben. Hier finde ich mich mehr denn je wieder und kann mich mit der Grundlage meiner Ausbildung, eigenen Ideen und persönlichen Erfahrungen an den Bildungsprozessen beteiligen. Mir liegt es sehr am Herzen, dass Bildung zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Lebens der jungen Roma in Kriva Palanka wird. Das Gemeinschaftshaus Amaro Kher, das im Herzen der Roma-Siedlung entsteht, bietet dafür das ideale Dach. Hier kann gemeinsam gespielt, gelernt und gefeiert werden.

Mit den Vereinen INTEResse e.V. und Casa Creciente e.V. haben wir Partner gefunden, ohne die ein solches Projekt unmöglich wäre. INTEResse unterstützt die Roma-Gemeinde dabei, eine neue Art des „Wir-Gefühls“ zu entdecken, um das Haus später eigenverantwortlich als Gemeinschaft zu organisieren. Die Planungen und die Umsetzung werden von Casa Creciente angeführt, die durch den Bau von Amaro Kher den Menschen dort Tipps geben und Möglichkeiten aufzeigen, wie günstig, umweltfreundlich und hochwertig zugleich gebaut werden kann. Dabei hoffen wir auf viele Nachahmer, wenn es um den Bau oder die Instandhaltung der privaten Häuschen geht.

 

Mein Name ist Sebastian Marschall und ich bin Vorstandsmitglied des Vereins Casa Creciente e.V. und 27 Jahre alt.

Nach meiner Schulzeit habe ich ein Jahr in Namibia gelebt und ein Weltwärts-Freiwilligendienst gemacht. Für mich war dieser interkulturelle Austausch eine meiner ersten Begegnungen mit fremden Kulturen, unbekannten Problemen und nicht nachvollziehbaren Lebensweisen. Der erforderliche Umgang, mit Respekt, Toleranz und Geduld in eine neue Welt einzutauchen, waren unglaublich wertvolle Erfahrungen für mich, mit denen ich mich auch über das Auslandsjahr hinaus weiterhin einbringen möchte. So gründete ich mit einem kleinen Kreis anderer ehemaliger Weltwärts-Freiwilligen den gemeinnützigen Verein Casa Creciente. Im Jahr 2011 realisierten wir gemeinsam unser erstes Recycelbauprojekt in Argentinien. Die Kombination, aus recycelten und ökologischen Materialien in Armenvierteln zu bauen, erwies sich als ein vielversprechender Lösungsansatz für gegenwärtige Probleme wie Armut, Umweltverschmutzung und geringen Bildungschancen.

Als wir von der Projektidee in Kriva Palanka hörten, war uns sofort klar, dass diese genau unserem Profil entspricht.

Aus meiner Sicht sind die Roma die letzte ethnische Gruppe in Europa, denen gegenüber eine diskriminierende Haltung allgemein legitimiert ist. Seit ich mich mit dem Thema befasse, höre ich immer wieder rassistische Äußerungen und diskriminierende Vorurteile gegenüber der Roma, selbst aus meinem nächsten Umfeld. Mir wird immer deutlicher, wie tiefgreifend diese althergebrachten Denkweisen sind, die absolut nicht in ein Europa der Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz passen.

Vor Ort versuchen wir, mit den Roma die baulichen Schritte gemeinsam zu planen und durchzuführen. Die verschiedenen Recyclingbau-Techniken und das Bauen mit Lehm sollen den Menschen dabei Möglichkeiten aufzeigen, wie aus billigen und scheinbar wertlosen Materialien und mit den richtigen Techniken robuste Häuser gebaut werden können. Ziel bei allen Arbeiten ist es, möglichst vielen Helferinnen und Helfern die verschiedenen Techniken und den Umgang mit dem Werkzeug und den Maschinen näher zu bringen. Dadurch sollen sie befähigt werden, selbständig das Erlernte anwenden zu können.

Kombiniert mit der aufwändigen Begleitung aller Gemeinschaftsprozesse die dieses Projekt anstößt, hoffen wir, mit dem Bau dieses Gemeinschaftshauses einen Weg aufzeigen zu können, wie Entwicklungszusammenarbeit erfolgreich gestaltet werden kann.

Die Freiheit, mich selbstbestimmt ausleben zu können, an meine Grenzen zu gehen und Erfahrungen zu sammeln, empfinde ich als elementar wichtig und extrem lehrreich.

Die erste Bauphase in Mazedonien war sehr anstrengend und fordernd, vor allem wegen der Komplexität der Arbeit. Kaum eine Woche verging, wo nicht große Krisen und riesige Euphorie nur ein paar Stunden auseinanderlagen, bis hin zum letzten Tag. Was im Rahmen dieser drei Monate jedoch an Wandel im Viertel stattfand, war unglaublich. Zu erleben, wie die Identifikation mit dem Projekt im Viertel nach und nach zunahm, bis die Baustelle gegen Ende ein richtiger sozialer Treffpunkt wurde, war faszinierend. Immer deutlicher war zu spüren, wie die Bereitschaft, sich einzubringen größer wurde. Einen solchen Prozess mitzuerleben und mitzugestalten empfinde ich als erfüllende und sinngebende Arbeit, die jede Anstrengung wert ist.

 

Mein Name ist Angelika Ludwig-Huber. Ich bin Pädagogin und vor allem MediatorIn und als solche Vorsitzende des gemeinnützigen Vereines INTEResse e.V.

Konflikte fallen einem oftmals einfach so vor die Füße. Seit meiner Ausbildung zur Mediatorin vor vielen Jahren laufe ich natürlich mit anderen Konfliktaugen durch die Welt. Und wenn man mit diesen mediativen Augen so Manches anschaut, dann ist es eigentlich nicht möglich, weg zu schauen, wenn man Konflikten begegnet, und schon gar nicht, wenn es um derart elementare geht. Allerdings habe ich eben auch gelernt und immer wieder erlebt, dass die Potenziale zur Konfliktlösung im Prinzip in jedem Menschen vorhanden sind, wenn man die Rahmenbedingungen dazu hat. Wer Hunger hat, muss erst essen, bevor er sich um Fragen wie „ wie gehen wir miteinander um?“ kümmert, oder mit Bertolt Brecht: „erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Und wer immer abgetrennt oder lange ausgegrenzt am Rand einer Gesellschaft gelebt hat, der muss erst einmal seine Würde, seine Fähigkeiten, seinen Selbstwert wieder gewinnen. Das kann man nicht predigen, sondern das muss man erleben können, sonst bleibt es wirkungslos. Deshalb ist mir das Projekt Amaro Kher ein Herzensanliegen:

Wir versuchen mit den Roma gemeinsam an der Entwicklung von Lebensperspektiven zu arbeiten, und zwar nicht nur FÜR sie, sondern MIT IHNEN. Das ist manchmal ein bisschen anstrengender als wenn man eigene Konzepte und Ideen einfach so umsetzt. Aber wir bräuchten das Haus Amaro KHER nicht bauen, wenn wir nicht gleichzeitig die Kompetenz mit entwickeln würden, die es braucht, um das Haus als Gemeinschaft dann auch eigenverantwortlich führen und mit Leben füllen zu können. Das ist eine ziemlich neue Erfahrung für viele Roma, und Vieles braucht richtig Übung , z.B. der Umgang mit Streitigkeiten und Differenzen. Ich versuche deshalb meine Mediationskompetenz nicht nur mit einzubringen und in aktuellen Konflikten zur Verfügung zu stellen, sondern darüber hinaus genau auch diese Kompetenz an die Roma weiter zu geben. Also eine ganz spezielle Form von „Mediationsausbildung“ für die Roma in Kriva Palanka, die der Verein INTEResse mit trägt. Das ist meines Erachtens neben dem Bildungsgedanken von FutuRoma und dem ökologischen Bauen eine der drei elementaren Säulen zur Nachhaltigkeit bei Amaro Kher: Konflikte als Chancen zu ergreifen und sich ihnen zu stellen. Genau da sehe ich auch meine ganz persönliche Aufgabe, und ich merke, dass mir das inzwischen zum Herzensanliegen geworden ist: Der unbedingte Glaube an die Potenziale dieser Menschen, die zwar aufgrund äußerer misslicher Umstände mitunter verschüttet sind, aber mit dem entsprechenden Interesse genauso zum Vorschein kommen wie bei jedem anderen Menschen auch. Dass die Roma wenig Unterstützung von anderen Seiten bekommen, bestätigt für mich persönlich nochmals mehr die Notwendigkeit, hier anzupacken.