Amaro Kher Leitbild 3.0

Wir befinden uns am Ende des Jahres 2020. Vieles ist passiert in den letzten Monaten.

Nachdem im April diesen Jahres, mit Angelika die Gründerin und sicherlich das aktivste Mitglied von Amaro Kher verstorben ist, musste sowohl die Gruppe in Deutschland, als auch die Gruppe der Roma in Kriva Palanka um einiges selbständiger werden, was erstaunlicherweise echt gut funktioniert hat.

Momentan kann man unser Leitbild, aber auch wirklich unser aktuelles Tun, gut als „Hilfe zur Selbsthilfe“ zusammenfassen. Das Haus ist mittlerweile (abgesehen von den Corona- Lockdowns) voll in Betrieb. Im Frühjahr hat die Kontaktgruppe der Roma eine eigene NGO mit dem Namen LUHU Ajidris Roma* in Mazedonien gegründet, um die Arbeiter in Amaro Kher legal anstellen zu können und die Verwaltung des Hauses und der Aktivitäten zu übernehmen. Das bedeutet für uns eine echte Entlastung, denn die NGO verwaltet sich nun selbst, kann sich um Formalitäten, Auszahlungen etc. vor Ort selbst kümmern und es muss nicht mehr alles mit der deutschen Gruppe abgestimmt werden. Angestellt in Amaro Kher sind zwei Vollzeitkräfte, sowie drei Minijobber. Angeboten in Amaro Kher wird aktuell:

  • die Hausaufgabenhilfe für die Schüler am Nachmittag inklusive warmer Mahlzeit.
  • Dann gibt es einen Abendschulkurs für Erwachsene, die ihren (Grundschul-) Abschluss nachholen möchten.
  • Auch die Näh und Strick- Manufaktur, bei der Menschen aus dem Viertel sich durch das Nähen von Taschen, Lavendelsäckchen etc. unter Anleitung etwas dazu verdienen können, läuft grundsätzlich täglich (lediglich unterbrochen durch Corona).
  • Und auch der Werkzeugverleih läuft gut weiter.
  • Die 7 Mitglieder der NGO treffen sich mindestens einmal in der Woche zur Teambesprechung, organisieren, planen und besprechen alles rund um die Projekte und das Haus und berichten uns dann per Protokoll.

Aktuell gibt es aufgrund von Corona einige Einschränkungen im Betrieb von Amaro Kher, da die Schulen derzeit außer den Klassen 1-3 nur online- Unterricht anbieten und Treffen in Amaro Kher in den letzten Wochen nicht möglich waren. Das hat die Projekte vor ziemlich große Aufgaben gestellt, weil Online-Lehre nicht ganz einfach ist, wenn nicht jeder ein Handy oder ähnliches zur Verfügung hat, aber unsere Lehrer haben sich alle Mühe gegeben, um das Beste aus der Situation zu machen. Auch das Viertel selbst war wochenlang stark von Corona betroffen. Viele Menschen waren krank und einige sind leider verstorben. Aktuell entspannt sich die Lage zum Glück wieder etwas und wir hoffen, dass bald wieder Normalität einkehren kann. Während der Lockdowns im April und im November/Dezember hat die NGO in Eigenregie Lebensmittelspenden organisiert und verteilt und zu Weihnachten gibt es wie jedes Jahr wieder Geschenke für die Kinder im Viertel.

Die NGO hat dieses Jahr die tägliche Arbeit in Amaro Kher und deren Organisation somit voll übernommen, auch weil Fahrten nach Mazedonien dieses Jahr nicht möglich waren. Sehr stolz können wir daher sagen, dass wir nun wirklich voll auf Augenhöhe zusammenarbeiten können und vertrauensvoll die Hauptarbeit und Organisation in Amaro Kher in die Hände der Roma abgegeben haben, was wirklich toll funktioniert.

Unsere Aufgabe als deutsche Gruppe sehen wir nun vor allem darin, die finanziellen Mittel für den Bestand des Hauses und der Projekte bereitzustellen, sowie dabei zu helfen, neue Projekte in Angriff zu nehmen. Und natürlich da zu sein, als Ansprechpartner und Ratgeber in allen möglichen Themenbereichen, wenn die NGO uns braucht. Wir sind im ständigen Austausch und stets für die Gruppe erreichbar.

Ziele für 2021:

  • Vorderstes Ziel: Die Projekte wieder normal laufen lassen zu können ohne Corona- Einschränkungen
  • Organisation von Fortbildungen für unsere Angestellten
  • Fahrten nach Kriva Palanka mit der deutschen Gruppe um dort Verbesserungen und Instandhaltungsmaßnahmen am Haus vorzunehmen, mit den Kindern Ferienprojekte zu machen und sich vor Ort mit der NGO auszutauschen und neue Ideen und Ziele zu entwickeln.
  • Und natürlich: Sicherstellung der Mittel durch die deutsche Gruppe, um das Haus, die Arbeiter und das Material bezahlen zu können.

*(LuHu steht für den Spitznamen von Angelika, Ajidris für die Anfangsbuchstabender Mitglieder der NGO: Arti, Jadranka, Idris, Dolan, Ramus, Ibo und Sercana)