Archiv für den Monat: September 2016

Ein Bericht von Gudrun Jaschke

Hallo! Ich bin Gudrun. Ich bin 19 Jahre alt und habe von September 2015 bis September 2016 in Kriva Palanka gelebt und Amaro Kher kennengelernt.
Daher schreibe ich hier einen kleinen Beitrag für den Amaro-Kher-Rundbrief.
In Palanka arbeitete ich als Freiwillige im Kindergarten von FutuRoma.
Während der Zeit habe ich viele Menschen aus dem Romaviertel kennengelernt und Amaro Kher über ein Jahr hinweg erlebt. Manchmal kamen Schülergruppen oder andere Engagierte aus Deutschland für einen bestimmten Zeitraum nach Palanka. Sie arbeiteten zum Beispiel am Bau des Hauses weiter und fuhren danach wieder nach Hause. Im Herbst, an Ostern und im August habe ich mit anderen aus Deutschland am Haus weitergebaut und mit „Neuen“ und viel mit „Alten“ geredet, die das Projekt und Menschen in Palanka schon seit Jahren kennen und immer wieder kommen.
Seit Ostern habe ich die Strickgruppe von Amaro Kher organisiert. Ich habe mich regelmäßig mit den Frauen getroffen, Technik gezeigt, Gestricktes entgegengenommen, einen kleinen Lohn gezahlt und neue Wolle ausgegeben.
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Ein Thema ist für mich während des Jahres sehr sichtbar geworden: Menschen an
verschiedenen Orten leben unterschiedlich. Wenn jemand jemandem helfen will, seine Lebenssituation zu verbessern, aber selber von woanders herkommt, muss
dieser erst ganz viel über den anderen und sein Umfeld lernen, um zu verstehen
wie es ihm wirklich geht, wie er lebt und wo ersterer ihm eine Hilfe sein kann, wie er ihn unterstützen kann, damit es ihm langfristig in irgendeiner Hinsicht besser geht. Keiner kann sicher sagen, ob und an was es einem Menschen genau fehlt,der 1500km weit entfernt aufgewachsen ist und lebt, solange er ihn nur flüchtig kennt und über seine Situation nur ungefähr Bescheid weiß. Menschen an verschiedenen Orten leben unterschiedlich. Daher bedeutet und verlangt die Arbeit in Amaro Kher intensives hinschauen,hinhören,wahrnehmen,
hineinfühlen,erleben,kennenlernen und selbstreflektieren bevor man etwas tut.

Gudrun Jaschke

Hängematte und Spielecke für Amaro Kher

Mein erster Aufenthalt in Mazedonien dauerte nur eine Woche. Es war im Herbst 2015, kurz nach Beginn des Wintersemesters, doch weil ich schon so viel von dem Projekt gehört hatte, wollte ich es mir unbedingt ansehen. Ich flog hin und sah es mir an und war sofort fasziniert von der Energie mit der alle mit anpackten, von der Gastfreundlichkeit mit der ich empfangen wurde und dem Gemeinschaftsgefühl das ich beim gemeinsamen Tanzen bei der Einweihungsparty erlebte. Eine Woche ging viel zu schnell vorbei und so begann ich mit dem Gedanken zu spielen, mal länger dort zu bleiben.
Ich wollte die Menschen näher kennenlernen, wollte was mit den Kindern machen, wollte Hämmern und Sägen und Nähen und Basteln und allgemein die Situation der Menschen und die Funktion des Projekts besser verstehen.
Das war meine Motivation nach der regulären Fahrt noch vier weitere Wochen zu bleiben.
Am 18. April ging es los. In den ersten zwei Wochen war ich noch Teil der Gruppe aus Deutschland. Wir fingen jeden Morgen um 9:00 an, arbeiteten den Tag über und saßen Abends noch lange zusammen oder gingen mit der Tochter unseres Gastgebers und ihren Freunden in die Billardbar. Die Gruppe war sehr harmonisch und und unterstützend und sie fehlten mir, als sie dann abreisten. Aber ganz allein blieb ich nicht, denn Rahel hatte es auch so gut gefallen, dass sie sich spontan entschied noch zwei Wochen länger zu bleiben.
Wir machen uns einen Plan, der ungefähr folgendermaßen aussah: ab 10:00 bei Amaro Kher sein, bis 13:00 Arbeiten am Haus erledigen, dann Mittagsessen und Mittagspause und von 15:00-18:00 Kinderbetreuung. Wir merkten sofort, dass es schön und gut ist Pläne zu haben, aber die Realität sieht oft anders aus. Das macht ja auch keinen Sinn, wenn die Mädels beim Haus sind und man mit ihnen spielen will, dass man dann wieder geht und bis drei wartet. Ohne Uhr. Wenn man aber jetzt spielen will. Oder dass man mitten beim Spielen aufhören und gehen muss. Viel lustiger ist es doch, genau dann mit den Mädels Fangen zu spielen.
Trotzdem lernten die Kinder schnell, dass es feste Zeiten gab, an denen sie kommen konnten und es klappte immer besser. Je nachdem wie viele Kinder und wie alt diese waren, ließen wir sie im Sand spielen, malten, bastelten oder spielten Spiele mit ihnen. „Blinde Kuh“ und „Der Fuchs“ geht um sind sehr beliebt. Die größte Herausforderung war tatsächlich mit allen Kindern gemeinsam etwas zu tun, da alle doch unterschiedliche Bedürfnisse hatten. Ein Mädchen wollte immer auf den Arm genommen werden, ein Junge spielte immer mit dem Bagger im Sand, andere malten am liebsten oder wollten immer Ball spielen. Sehr hilfreich war es, wenn ältere Kinder dabei war, die deutsch konnten und übersetzen und schlichteten wenn es unter den jüngeren Streit gab. Ein paar wichtige Wörter, wie kai (wo), koi (wer), tearra (morgen) oder dosta (genug) konnten wir bald.
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Später als die Kinderecke mit einem improvisierten Ruhebereich, einer Hängematte und Kindertischen eingerichtet war, verlagerte sich das Spielen nach drinnen. Leider habe ich kein Foto davon, aber einmal lag einer der kleineren Jungen in der Hängematte und tat so als würde er schlafen und hatte dabei das breiteste Grinsen auf dem Gesicht während um ihn herum das Chaos tobte. Jeder liebt Hängematten.
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Abends unternahmen wir oft noch etwas mit den Jugendlichen mit denen wir uns angefreundet hatten, wir gingen Billard spielen oder besuchten uns gegenseitig.
In der Zeit, in der wir da waren gab es mehrere große Ereignisse, an denen wir teilhaben durften, so besuchten wir zwei Roma-Partys, eine Geburtstagsfeier und eine Hochzeit.

Jeden Tag, bis auf die Tage, an den die Hochzeit und ein anderes Mal eine Beerdigung stattfanden, kamen um die Mittagszeit die Frauen zum Nähen. Sie sind ein richtig gut eingespieltes Team, jede ist für einen Arbeitsschritt in der Produktion der Taschen verantwortlich. Wenn noch Zeit war, nähten wir anschließend Hosen. Ich hatte eine sehr weite Stoffhose mit, die wir als Vorbild für das Schnittmuster nahmen. Amaro Kher hatte ja im Vorfeld eine riesige Stoff und Kleiderspende erhalten und davon konnten wir einige der dünneren Stoffe, die nicht gut für Taschen geeignet waren, verwenden.

Ebenfalls jeden Tag kam Safet um sich um die Pflanzen zu kümmern und oft unterhielten wir uns lange, er erzählte von seinen Projekten mit den Kindern und manchmal blieb er um den Kindern Geschichten zu erzählen.
Mit Ibo bauten wir ein Holzdach über den Anbau von Küche und Bad und schweißten das Tor, sodass die Kinder nicht mehr durchschlüpfen können. Als die Außenspüle begann drohend zu knarren, sobald man darauf Geschirr abstellte, bauten Engin und ich eine neue.
Oft wurden wir zum Kaffee bei verschiedenen Familien eingeladen, und auch wenn ich weder Mazedonisch noch Romanes spreche und die Leute manchmal mehr manchmal weniger deutsch konnten verstanden wir uns gut. Einmal war ich bei der Mutter von Kindern , die oft zu Amaro Kher kamen eingeladen und sie zeigt mir pantomimisch wie wohl mal jemand betrunken auf einer Feier einem Musiker die Trompete wegnehmen wollte oder so, zumindest war das meine Interpretation. Ich lachte Tränen. Nicht jedes Mal war es lustig, ich bekam auch Geschichten erzählt, die mich noch lange danach beschäftigten. Geschichten wie Leute es geschafft hatten, sich in Deutschland ein Leben aufzubauen, bis zu dem Tag an dem in aller Herrgottsfrühe die Polizei vor der Tür stand und die Familie zurück nach Mazedonien schickte oder wie es sich anfühlt nicht genug Geld zu haben um die Familie zu ernähren, nicht genug Geld zu haben um im Krankenhaus behandelt zu werden, nicht genug Geld zu haben, weiter zur Schule gehen zu können. Freunde von mir waren lange in Deutschland gewesen, aber bevor sie einen Schulabschluss hätten machen können, mussten sie zurück- und weil sie das kyrillische Alphabet verlernt/ nie gelernt hatten, konnten sie keinen Abschluss in Mazedonien machen. Und ohne Abschluss gibt’s keinen guten Job. Abgesehen davon, dass die Roma immer noch stark diskriminiert werden.
Ich möchte bald wieder nach Kriva Palanka sobald ich Zeit finde, denn wie eigentlich jeder der einmal dort gewesen war und an dem Haus mitgearbeitet hat, lässt es auch mich nicht los und ich möchte die weitere Entwicklung mitbekommen und soweit ich kann mitgestalten.
Was ich von der Zeit mitnehme sind ganz viele Erlebnisse und Erfahrungen, mal schön, mal lehrreich, neue Freunde und die Überzeugung das Amaro Kher etwas ist, für dass es sich zu engagieren lohnt.

Josefine Ario

Sommer 2016: Die Saat ist aufgegangen !

Im Garten blüht es, die Slivi(Pflaumen)sind inzwischen zu leckerer Marmelade
geworden, und Tomaten und Paprika sind inzwischen auch am Reifen. Wir danken all denen, die uns an Ostern Stauden gespendet
hatten, ebenso jenen, die das Ganze als Garten gestaltet und
dann auch gepflegt haben. Und ein ganz besonderer Dank geht an Safet, der nach unserer Abreise nach Ostern alles liebevoll gepflegt,vor allem gegossen hat.

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Was hat sich im Sommer getan?
Im August und September waren aus Deutschland (neben Gudrun in ihren letzten Palanka-Tagen) Charlotte, Maria,kurzzeitig auch Leandra und Julia sowie Angelika in Amaro Kher.
Mit Ibraim zusammen wurde der Sanitärbereich verputzt, ein neues Fenster eingebaut und etliche kleinere Reparaturen vorgenommen.
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Es war eine eher ruhige Zeit, in der einige der liegen gebliebenen Aufgaben erledigt werden konnten.
UND: es war natürlich auch die Zeit der Nähgruppe, die sich wieder täglich stundenlang getroffen und gearbeitet hat. Im Unterschied zur Gruppe der Strickerinnen, die relativ selten zusammen in Amaro Kher an ihren Stücken arbeiten, weil das ja beim Stricken auch nicht unbedingt
notwendig ist, ist die Nähgruppe ein Team, das nicht nur zusammen eifrig
näht, sondern mehr und mehr auch an anderen Aufgaben in Amaro Kher
teilnimmt.. Am Ende dieser Nähepoche wurde das ganze Stockwerk
tiefengereinigt und richtig gut alles sortiert und……für die nächste Näh-
Epoche vorbereitet, die im Herbst stattfinden wird!
Über 3oo Taschen sind entstanden!!Ein großer Teil geht an den Reisebuchladen Karlsruhe, unseren treuen Abnehmer!
An Strickwaren haben wir auch eine Menge wunderschöner Exemplare
von Strümpfen,Hausschuhen und anderen Dingen mitgebracht, die in den nächsten Wochen auf den Märkten der Waldorfschule, auf der Mitgliederversammlung – oder
gegen Bestellung hier verkauft werden.
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Vorblick Herbst:

Die Herbstfahrt ist gerade in Vorbereitung: Ende Oktober geht es wieder für 1o Tage los!
Und dieses Mal wird die Terrasse fertig gestellt werden, damit der Regen hier keinen Schaden anrichten kann. Auch der Sanitärbereich, der jetzt verputzt ist, muss fertig gestellt werden.
Und in der Manufaktur werden wir einige neue Dinge erarbeiten um unser Repertoire zu erweitern. Wieder wird es eine Gruppe von Schüler*innen sein, die 1o Tage mit Arbeit und hoffentlich auch ein weinig Pausen Amaro Kher ein wenig weiterbringen wird.
Und dass das alles möglich ist, die Baustoffe bezahlt werden können, dafür gibt es immer wieder unglaubliche Überraschungen, z.B. Menschen, die einen wichtigen Tag dem Projekt Amaro Kher widmen:

GOLDENE HOCHZEIT – ein großes Geschenk für Amaro Kher!

Nachdem meine Großeltern das Projekt schon seit 2 Jahren aktiv mitverfolgt
hatten und mich auch bei meinen Projektfahrten immer unterstützten,
entschlossen sie sich anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit von ihren Gästen eine
Spende für Amaro Kher zu wünschen.
So kam es, dass ich in der Niedersächsischen Heide in einem zu einem Restaurant
umgebauten Bauernhof meinen Verwandten etwas über Amaro Kher erzählen
konnte. Ich zeigte mit einem Dia-Projektor Bilder und Videoausschnitte von der
Entstehung des Projekts bis heute. Meine Verwandten kamen nach dem Vortrag
noch auf mich zu und sagten mir, wie toll sie das Projekt fänden. Besonders den
Recyclingbau und die Nähmanufaktur fanden sie großartig.
Auch die Unterdrückung der Roma rückte ins Bewusstsein und wurde Thema von
Gesprächen.
Dank meinen Großeltern bekamen wir insgesamt eine Spende von 1000 Euro und
konnten Amaro Kher bekannter machen.
Ich bedanke mich an dieser Stelle im Namen von Amaro Kher noch einmal
herzlich
Jonathan Ario

Auch Lust bekommen zu unterstützen?

Dann gibt es viele Möglichkeiten:
• Mitglied im gemeinnützigen Verein Amaro Kher e.V. werden
• Spenden auf unser Konto
• Bankverbindung: IBAN: DE 76430609677028391500 BIC: GENODEM1GLS
• Ajvar-Lutica bestellen, das wir bei den Roma im Herbst zum Solidaritätspreis kaufen werden
• Strümpfe, Taschen, Marmelade etc…bestellen
• Oder einfach gute Ideen schicken, was die Manufaktur herstellen könnte und was hier gut verkauft werden kann….

Es dankt fürs Lesen des Rundbriefs und ggfs fürs Feedback zum Inhalt
Angelika Luhu.