Archiv für den Monat: Januar 2016

Bescherung in Amaro Kher 2015

Im Unterschied zu Deutschland kommt der „Weihnachtsmann“ hier an Silvester und heißt Dedo mras, Großvater Frost. Dieses Jahr hatten wir unsere Großmutter Frost mit Namen Arti, unsere kleine Weihnachtsfrau. Jedes Kind aus dem Romaviertel bekam an Silvester ein Päckchen und durfte sich mit ihr fotografieren lassen.
Im Vorhinein haben wir aufgeschrieben, wie viele Kinder es gibt, dann Orangen, Schokolade, Saftpäckchen und was das Kinderherz noch erfreut, eingekauft und 150 Päckchen gepackt.
Als wir die Päckchen an Silvester verteilten, war es eisig kalt, sodass einige Kinder und Eltern sich gern ein bisschen länger in Amaro Kher aufhielten und etwas aufwärmten bevor sie wieder ins kalte Draußen mussten. Großmutter Frost hatte die Temperatur betreffend echte Arbeit geleistet! Trotz der Kälte gab es am Ende glückliche Kindergesichter – und auch wir Helfer(innen) waren glücklich darüber, dass alles gut geklappt hatte.
Ein riesiges Dankeschön an das Weihnachtsmann(frau)-Team!!!! Ihr habt großartige Arbeit geleistet!!!!Gudrun

Frühling 2015

Frühling 2015

Hier etwas verspätet ein Bericht aus der vorletzten Bauphase im Frühling 2015:

Endlich Frühling!

Amaro Kher in Bewegung! Davon können etliche berichten, die an Ostern bzw in der Karwoche zu einer Projektfahrt in Kriva Palanka waren, und von der hier auch kurz berichtet werden soll:
Nachdem wir in der einwöchigen Herbstfahrt 2014 das Haus mehr oder weniger winterfest gemacht hatten, die ungewollte, aber notwendige Mauer fertig gestellt und der riesige Erdhügel, der Massen von Feuchtigkeit an die Hauswand gedrückt hatte, auch abgetragen war ( wir hatten davon berichtet ), mussten wir im Februar feststellen ( bzw stellten Silke Ade und Micha fest), dass es noch etliche Stellen gibt, die vom Problem Feuchtigkeit belastet sind und derer wir uns annehmen müssen.

Oster- Fahrt in der Karwoche 2015:
Und so war ein Hauptarbeitsfeld einer Gruppe von Schülern und Vätern der Waldorfschule Karlsruhe (und des wunderbaren zusätzlichen Fahrers und Mitbegleiters Konrad), weitere Maßnahmen zur Feuchtigkeitsbewältigung zu ergreifen. Die Beteiligten können dieses Wort vermutlich nicht mehr hören oder lesen, das da heißt: DRAINAGE. Wenn man auf den Photos genau hinschaut, kann man sehen, dass eine solche Drainage bzw der Bau derselben wirklich alles umkrempelt bzw umbaggert, umwälzt und eine riesige Arbeit bedeutet.10003253_884614911601677_5491284477683071663_n

Nachher- konnte man kaum noch erkennen, was da geschehen war, welche Bewegungen von Tonnen von Kies, Steinen, Sand, Rohren und anderen unheimlichen Materialien da stattgefunden hatten.DSC_4159

DSC_3944Gottseidank gab es auch noch andere Projekte, die nicht nur bau- erhaltend, sondern auf-bauender waren, weil sie fundamental wurden:
Es gibt endlich BÖDEN im Haus- zwar gibt es sie an einigen wenigen Stellen auch noch nicht, weil wir da das Thema Feuchtigkeit noch beobachten müssen, aber es gibt einen oberen großen Raum – den „Ballsaal“- der hat einen Boden, den wird man sonst nirgends mehr auf der Welt finden.DSC_3855

10394490_729117787208269_2340889530276153139_nIMG_20150405_144948Jonathan: „Dieser Boden ist nicht nur einzigartig in seiner Art, sondern auch einzigartig in der Entstehungsweise. Wir arbeiteten von morgens um 9 bis abends um 21 Uhr. Stefan und Andreas sogar nachts um  zwei, zusammen mit Seldat und anderen Roma. In diesem Boden steckt all unsere Kraft, in diesem Boden steckt die Kraft aller Arbeiter, ob groß oder klein.Es war vor allem Stefan, der hier Großartiges leistete. Er motivierte Tag und Nacht die Jugendlichen, er arbeitete Tag und Nacht. Er war derjenige der die Ideen hatte und er war der aktuelle Baumeister. Die Jugendlichen nannten ihn immer nur den Chef.“
Stefan Walheim, Andreas Heim, Konrad Armbruster, Marie Ebert, Hanna Huber und alle mitwirkenden SchülerInnen wie Daniel, Jonathan, Lennart, Silas, Florian, Simon, Mirjam, Florian,Seldat,Eduard…….das waren so viele ….haben dieses Unikat geschaffen.
Im unteren Bereich entstand ebenfalls ein Boden aus Beton mit einem ganz besonderem und einzigartigem Muster.

Nach dem Gießen des Betons musste dieser noch glatt poliert werden. Das war äußerst anstrengend. Allen voran Andreas – er polierte stundenlang.
Im Durchgangs Zimmer zwischen dem Computer Raum und dem Büro entstand ein Holz Boden.

Der Garten:
Wir begannen damit das Gelände durch eine Treppe und einen Steinweg begehbar zu machen. Dafür holten wir zusammen mit den Kindern große und kleine Steine herbei. Nachdem der Weg fertig war, begannen wir mit der Ebnung des Beetes und schließlich mit dem Umgraben.
Nach 3 Tagen harter Arbeit hatten wir einen Weg, eine Treppe, einen Kompost,eine Feuerstelle mit Bänken und 2 Beete geschaffen.
Diese Projekt erfüllte gleich zwei Aufgaben: die Kindern konnten hier viel mithelfen und sich so mit dem Gelände, das sie selbst geschaffen hatten ,verbinden.,Außerdem war es ein großes Glück, dass Aaron jeden Tag engagiert dabei war. Dies war nur durch die liebevolle Betreuung Maries möglich.
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Kinderbetreuung
Die Kinderbetreuung war von Morgens um 9 bis abends um 18 Uhr im Einsatz. Die Kinder waren sehr froh, dass sie mithelfen konnten, sei es beim Kochen oder beim Bauen .Sie waren sehr wild darauf etwas zu tun,so dass es uns manchmal schwerfiel sie zu bremsen.
Wir kochten,malten,spielten,bauten,lachten,rannten,bastelten zusammen mit den Kindern.

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https://www.youtube.com/watch?v=15y5NUMTyUQ

Finanzierung der Materialien:
Möglich wurde dies alles neben der Hilfe der MitarbeiterInnen aus
Karlsruhe, Bad Boll und von Edinstvo dadurch, dass die Karlsruher Schüler seit dem Solidaritätskonzert im Dezember 2o14 mit viel Phantasie und Einsatz genügend Geld gesammelt hatten, sodass die Materialkosten gedeckt waren. Eine Krippe- auf dem Solidaritätskonzert verkauft für den Boden von Amaro Kher- das ist ein gutes Sinnbild für diese Aktion. Natürlich haben alle Spender, Käufer von Krippen, Engeln, Marmeladen und Pralinen, die da hergestellt worden waren, ebenfalls dazu beigetragen. Und auch eine Spende von Jugend hilft hat den letzten Rest noch geschafft, sodass wir alles Material bezahlen konnten.

Persönliche Erlebnisse:

Jonathan Ario:
„Jeden Morgen, an dem ich den Weg durchs Viertel zu Amaro Kher lief, begleitete mich ein kleiner Jungen von ca 4 Jahren. Er hatte immer ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht.Beim Garten Projekt half er fleißig mit großer Begeisterung mit, nicht immer mit dem richtigen Werkzeug aber immer mit der richtigen Einstellung.
Wir arbeiteten viel am Betonmischer und schon nach einem Tag waren wir alle ein eingeschweißtes Team, bei dem sich jeder auf jeden verlassen konnte. Besonders die Jugendlichen Roma hatten so viel Freude am Betonmischen, dass sie sich zeitweise stritten.   Das schönste Erlebnis hatte ich am vor letzten Tag: wir waren extrem erschöpft von der Tagelangen Arbeit  und kurz davor zusammen zu brechen, und gerade an diesem Tag spürten wir die unfassbare Dankbarkeit der Kinder und Jugendlichen und das gab uns nochmal Kraft unser Projekt zu vollenden.
Ich habe noch nie so viel Anerkennung und Dankbarkeit für meine Arbeit bekommen.“
DSC_3968Mirjam:
„Ganz egal wie aufgedreht, überdreht und abgedreht die Roma Kinder im ersten Moment wirkten.Im zweiten musste man sie einfach ins Herz schließen. Alle haben immer versucht zu helfen wo sie konnten ,und auch wo sie nicht konnten, und auch wo sie nicht konnten haben sie uns ganz klar gesagt ,was wir ihrer Meinung nach falsch machen, so hatten wir auch die Gelegenheit etwas neues dazu zu lernen. Jetzt können wir alle perfekt abwaschen und uns ein bisschen auf Romanes verständigen 🙂 Auch beim Armbändchen Flechten, Verstecken spielen und Singen sind wir uns alle ein bisschen näher gekommen. Wer mit viel Geduld und Liebe die Sache anging hatte die Möglichkeit, die Kinder von einer sehr persönlichen Seite kennen zu lernen und nicht nur Ihnen etwas zu geben ,sondern auch ganz viel geschenkt zu bekommen !“
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Katharina:
„Mich hat die Gastfreundschaft und Offenheit sehr überrascht und glücklich gemacht.
Die Arbeit mit den Kindern war sehr anstrengend, aber ich habe so viel Erfahrungen und Eindrücke gesammelt über ihre Lebenseinstellung und Mentalität der Kinder sodass es sich auf jeden fall gelohnt hat. Das schönste Erlebnis war unser gemeinsamer Abstecher auf die Blumenwiese. Es hat wirklich großen Spaß gemacht auf den Berg zu wandern, links und rechts ein kleines Kind an der Hand und rundherum Lachende Kinder ,die Blumen Pflücken und die größte Freude daran haben sie zu verschenken. Das Kochen hat Spaß gemacht auch wenn es gleichzeitig   sehr strapaziös wurde durch eine voll Küche , sehr engagierte Kinder und deutsche Schlager Musik. Es war toll, dass unser Essen so geschätzt wurde und sich jeder auf die Mahlzeiten gefreut hat.“
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Und hier schreibt Simon, was er erlebt hat:
Osterfahrt 2015
Die  Eindrücke, die mir von der Osterfahrt 2015 einfallen, wenn ich zurück denke, sind wild gemischt. Einerseits war es wunderschön andererseits sowohl körperlich als auch mental anstrengend!
Was wunderschön war, ist, wenn man wieder nach Mazedonien kommt und sofort die ganzen Strassen und Läden wieder erkennt, wo man letztes Mal schon langgelaufen ist und eingekauft hat, wenn man wieder in den Restaurants die landestypischen Spezialitäten bestellt und sie einfach nur genießt und wenn man nach fast 6 Monaten wieder die Menschen sieht, mit denen man letztes Mal so viel gelacht und geredet hat.
Schade war dieses Mal, dass ich einige Jugendlich im meinem Alter diesmal nicht mehr getroffen habe. Ein paar haben einen kleinen Gelegenheitsjob gefunden, andere haben ihr Glück versucht und haben mit dem wenigen Geld was sie haben versucht, ein Ticket nach Deutschland zu kaufen, dem Land von dem die meisten Roma in diesem Viertel träumen, um hier Asyl zu beantragen, obwohl die Chancen, dass es bewilligt wird gen null tendieren. Die Leute, die allerdings noch da waren, haben sich sehr gefreut und ich mich auch, sie nach so langer Zeit einmal wieder zu sehen.
Auch dieses Mal Stand wieder viel Arbeit an. Wir waren dieses Mal deutlich mehr Leute, die mitgefahren sind und auch auf unterschiedlichen Wegen. Dadurch, dass wir so eine große Gruppe waren, war es sinnvoll, sich in verschiedene Aufgabenbereiche zu unterteilen. Wir hatten einmal eine Gruppe, die mit den Kindern gespielt und gebastelt hat, eine die für das leibliche Wohl aller Arbeiter gesorgt hat, unsere Chefs die immer versucht haben den Überblick zu behalten, was nicht immer ganz einfach war und wir hatten die Gruppe, die den Fußboden betoniert  und die Wasserleitungen gegraben hat.
Für den Fußboden hatten wir uns vorgenommen, den bestehenden Boden im oberen Raum zu ebnen und ihn im Rot einzufärben.  In der Mitte des Raumes sollte dann eine Roma Flagge entstehen. Dadurch, dass gleichzeitig mit dem Fußboden innen auch die Drainage im Außenbereich gegen das Wasser errichtet wurde, war der Zugang zum oberen Raum blockiert. Und war nur noch über die Treppe erreichbar, wo alle Baustoffe mit Schubkarren dorthin befördert wurden, um dort den Beton mischen zu können. Diese Aktion war natürlich durch das große Gewicht und die großen Mengen der Baustoffe mit viel körperlicher Anstrengung verbunden, die sich auch abends sehr schnell bemerkbar machte.
Schön war auch, dass das mit dem gemeinsamen Essen auf der Baustelle so gut funktioniert hat, wofür ich mich bei der Kochgruppe bedanken möchte.
Ein Riesen Dankeschön geht auch an  die Truppe, die den Fußboden verlegt hat in der auch ich mitgewirkt habe und dass wir es geschafft haben, die Böden fertig zu bekommen, auch wenn wir dafür manchmal bis tief in die Nacht gearbeitet haben. Das ging aber auch nur, durch die super Koordination  von Stefan, der teilweise bis um 3 Uhr nachts noch gearbeitet hat.
Ein Dankeschön geht auch an die Kinderbetreuung, denn ohne eure Mitarbeit hätten wir nicht so gut arbeiten können, denn es ist zwar schön, wenn auch die Kleinsten mithelfen wollen, aber bei manchen Arbeiten ist dies halt unmöglich.
Ich möchte mich auch noch bei Frau Ludwig-Huber bedanken, dass sie im Vorfeld so viel organisiert hat und bei Jonathan, der ständig die Kontaktzentrale bei der Planung war, damit das alles funktioniert hat.
Stefan, Konrad und Andreas gilt auch noch ein besonderer Dank denn ohne sie hätte das mit dem Stadtmobil Bus nicht geklappt und die ganze Fahrt wäre wahrscheinlich ins Wasser gefallen. Deswegen noch mal ein Riesen Dankeschön!!!
Für die tolle Zeit und für die gemeinsame Arbeit in Mazedonien will ich mich noch bei ein paar Menschen bedanken:
Mirjam , Lennart, Daniel, Kathi, Nina, Silas, Teresa, Florian, Julius, Jonathan, Alexander, Lisa und Anna
Und bei unseren erwachsenen Helfern: Hanna, Marie, Stefan, Andreas und Konrad
Es war eine schöne Zeit mit euch allen
Simon Schwarz